Was ist Multiple Sklerose (MS)?


MS ist eine Erkrankung des Nervensystems. Sie beginnt meistens im Alter zwischen 15 und 25, wird aber oft erst später erkannt. Bei der MS ist das Immunsystem, dessen eigentliche Aufgabe ja die Abwehr von Infektionen darstellt, fehlgesteuert. Es verwechselt die Umhüllung der Nerven, das Myelin, mit Krankheitserregern, greift sie deshalb an und will sie zerstören. Das Myelin ist eine fetthaltige Schicht, die die Nerven wie die Isolationsschicht eines elektrischen Drahtes schützt . Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, von der Informationen durch die Nervenfasern zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden. Eine Verletzung der Isolationsschicht der Nerven behindert diese Informationsübertragung. Es kommt zu einer vielfachen (multiplen) Narbenbildung (Sklerose) und somit auch zu verschiedensten Ausfällen.

Ein Beispiel: Man will seine Zehen bewegen. Normalerweise wird die Information "beweg die Zehen" unterbewusst vom Gehirn direkt zum Fuß geleitet und die Zehen bewegen sich. Wenn aber eine Narbe an einer Stelle im Gehirn oder Rückenmark ist, die für die Zehen zuständig ist, bleibt die Information sozusagen an dieser Narbe "hängen" und der Fuß bekommt keine oder nur falsche Informationen und kann so auch nicht richtig reagieren. Die Zehen bewegen sich anders als man wollte oder gar nicht.

Weil diese Narben an verschiedensten Stellen im Gehirn bzw. im Rückenmark auftreten, können sie auf alle möglichen Bereiche Einfluss haben, d.h. je nach Lage treten unterschiedliche Symptome auf. Die Symptome, ihre Schwere und Dauer können sich bei ein und derselben Person im Laufe der Zeit ändern. Die meisten MS-Kranken haben mehr als ein Symptom, aber keiner hat alle. Beeinträchtigungen treten insbesondere in folgenden Bereichen auf:

Die MS kann im Groben in vier verschiedene Verlaufsformen eingeteilt werden:

Schubförmig-remittierende MS

Bei dieser Form der MS treten immer wieder Schübe auf. Als Schub gilt prinzipielle eine Verschlechterung oder ein Neuauftreten eines Symptomes, das mindestens 24 Stunden anhält, mindestens 30 Tage nach dem letzten Schub auftritt und nicht durch Temperatur oder einen Infekt ausgelöst wurde. (die Temperatur, vor allem Hitze, wirkt sich bei Leuten mit MS oft sehr stark aus. Die meisten sind dann geschwächt. Bei Infekten, das kann eine Erkältung sein, eine Blasenentzündung o.ä. kann sich auch der allgemeine Zustand verschlechtern) . Ein Schub ist das Zeichen einer neuen oder sich ausdehnenden Entzündung im Nervensystem. Schubhafte Verschlechterungen sollten mit hochdosierten Cortisoninfusionen über einige Tage behandelt werden. (siehe unten). Ohne Cortisonbehandlung kann ein Schub unterschiedlich lange Zeit andauern (Tage bis Monate). Entweder bilden sich die Symptome vollständig zurück und es bleibt keine Schädigung zurück, oder das entzündete Nervengewebe vernarbt (sklerosiert) und das Symptom bleibt für immer bestehen.

Ein Schub hat nichts mit einem plötzlichen Anfall zu tun und es gibt keinen besonderen Auslöser dafür, wann ein Schub auftritt!

Die meisten haben weniger als einmal pro Jahr einen Schub. Sie können aber auch häufiger auftreten.

Häufigkeit dieser Verlaufsform etwa 25%

Sekundär-progressive (stetig fortschreitende) MS

Viele, die zuerst einen schubförmig-remittierenden Verlauf hatten, haben später einen chronisch-progressiven Verlauf ohne weitere Schübe.

Das heißt, dass sich Symptome im Laufe der Zeit laufend verschlechtern, und nicht schubhaft, mit Cortison behandelt werden können, da keine Schübe auftreten.

Häufigkeit etwa 40%

Primär-progressive MS

Es kommt von Beginn der Erkrankung an zu einer langsam fortschreitenden Zunahme der Symptome ohne Besserung durch Cortison. Der Zustand verschlechtert sich also von Anfang an langsam ohne deutlich erkennbare Schübe.

Es kommt zu keiner Verbesserung durch Cortison.

Häufigkeit etwa 15%

dann gibt es noch die Gutartige (benigne) MS

Bei dieser Form der MS kommt es insgesamt zu einem bis zwei Schüben mit vollständiger Rückbildung, ohne bleibende Behinderung. Eine benigne Form der MS liegt nur dann vor, wenn auch 10 – 15 Jahre nach Krankheitsbeginn nur eine minimale Behinderung zurückbleibt.

Häufigkeit etwa 20%

Der Verlauf einer MS ist bei jedem anders. Bei Einzelnen zeigen sich nur ganz geringe Auswirkungen der Krankheit, während bei anderen ein rasches Fortschreiten bis zur deutlichen Behinderung vorkommt. Bei den meisten liegt der Verlauf zwischen diesen beiden Extremen. Deshalb ist es nicht möglich, eine Voraussage zu treffen. Als Faustregel gilt aber die sogenannte “5-Jahres-Regel”: Der Behinderungsgrad 5 Jahre nach Krankheitsbeginn entspricht etwa drei viertel desjenigen nach 10 bis 15 Jahren

Nur in einzelnen Fällen (unter 5 %) führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu schwerer Behinderung.


Medikamente bei MS zusammengefasst
Cortison ist das gebräuchlichste Medikament für die akute Behandlung von MS-Schüben. Man versucht, mit hochdosierter Cortisongabe in Form von Infusionen über drei bis fünf Tage die Entzündung im Rückenmark bzw. dem Gehirn möglichst rasch zum Abheilen zu bringen, den Schub also zu verkürzen. Auf den gesamten Verlauf der Erkrankung hat es keinen Einfluss, so dass eine Dauertherapie mit Cortison nicht sinnvoll ist. Außerdem hat es sehr viele, zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen wie: Magenbeschwerden, psychische Stimmungsveränderungen (z. B. Traurigkeit), Schlafstörungen, Appetit- und Gewichtszunahme, hoher Blutdruck, Blutzuckererhöhungen, Hautveränderungen (Akne), und nach längerer Behandlung mit Cortison sogar Osteoporose.

Daneben gibt es auch Medikamente die den Schüben vorbeugen sollen. Sie werden z.T. als Dauertherapie über längere Zeit angewendet. Sie beeinflussen das Immunsystem und sollen somit den Verlauf der MS abmildern und verlangsamen. Dazu gehören z.B. Immunglobuline, Interferone (z.B. Betaferone) oder Glatirameracetat (z.B. Copaxone). Sie müssen entweder durch Infusionen in die Vene, Injektionen unter die Haut oder in den Muskel verabreicht werden. Interferone haben oft grippeähnliche Nebenwirkungen wie Schüttelfrost, Fieber usw. unmittelbar nach den Injektionen, die aber meistens nicht lange anhalten. Glatirameracetat (Copaxone®) führt selten zu kurz andauernden Nebenwirkungen direkt nach der Injektion wie z.B. Hitzewellen, Schweißausbrüche, Herzklopfen. Immunglobuline werden sehr gut vertragen. Da es sich dabei aber um veränderte menschliche Seren handelt ist trotz sehr hoher Sicherheitsstandards der Herstellerfirmen, die Möglichkeit einer Infektionsübertragung gegeben. Unter besonderen Umständen werden auch Medikamente bzw. therapeutische Verfahren wie Azathioprin (z.B. Imurek®) Mitoxantron (z.B. Novantron®), Cyclophosphamid (z.B. Endoxan®) oder Plasmapharese eingesetzt. Allerdings besteht bei diesen Therapien eine größere Gefahr von zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Welches Medikament für wen geeignet ist, entscheidet der Arzt zusammen mit dem Patienten.

Neben diesen Medikamenten werden auch Medikamente eingesetzt, die die Symptome wie z.B. die Spastik lindern sollen (z.B. Lioresal)

Die Ursachen
Man nimmt heute an, dass ein Ungleichgewicht im Immunsystem ein krankheitsfördernder Faktor sein könnte: wenn also das Immunsystem schon beim kleinsten Anlass reagiert, kann sich diese an sich so wichtige Schutzfunktion auch irgendwann einmal gegen den eigenen Körper richten. Man nimmt auch an, dass letztlich der Grund für den Ausbruch der Krankheit Viren oder Bakterien sind, die das Immunsystem außer Rand und Band geraten lassen. Die wirklichen Ursachen von MS sind aber immer noch relativ ungeklärt und sind Gegenstand intensiver Forschung.

Hier noch eine kurze Zusammenfassung:

Zum Nachdenken